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Trotzköpfe

Veröffentlicht am 13.06.2017

Trotzköpfe - Trotzreaktionen bei Kleinkindern

Sie stehen in der Schlange an der Kasse und ihr Kind bekommt einen Trotzausbruch. Jetzt würden Sie am liebsten  im Boden versinken und bitten innerlich, das möge schnell vorbei gehen? 

Trotzköpfe – Trotzreaktionen bei Kleinkindern

Sie stehen in der Schlange an der Kasse. Ihr Kind möchte einen Lutscher, Sie verweigern es. Es kommt zu einem Trotzausbruch, Ihr Kind wirft sich auf den Boden und schreit.  Alle drehen sich zu Ihnen um. Sie würden jetzt lieber im Boden versinken und bitten innerlich, das möge schnell vorbei gehen?

Solche Situationen kennen alle Eltern mit Kleinkindern und oft liegen die Nerven blank. Dabei haben Sie allen Grund sich über diese Entwicklung zu freuen. Denn Ihr Kind macht in dieser Phase Erfahrungen die grundlegend für seine weitere Entwicklung sind.

Im ersten Lebensjahr haben Sie eine sehr innige Zeit mit Ihrem Kind genossen. Ihr Kind war mit Ihnen verbunden und erlebte sich mit Ihnen als eine Einheit. Jetzt lernt Ihr Kind, dass es eine eigenständige Person mit Wünschen und Gefühlen ist. Es möchte selbstständig und unabhängig sein und sich von Ihnen ablösen.

Im Alter von ca. einem bis drei Jahren versucht Ihr Kind nun seine Wünsche durchzusetzen. Dabei stößt es an Grenzen von außen und von den Eltern. Es spürt seine eigene Unzulänglichkeit, seine Wünsche durchzusetzen.

In vielen Familien führen diese Trotzreaktionen zu Problemen in der Elternbeziehung. Gegenseitige Schuldzuweisungen und so genannte gute Ratschläge von Freunden und Verwandten verschärfen die schwierige Lage. Dabei reagiert Ihr Kind keineswegs gegen Sie, sondern gegen die unüberblickbare Situation.

Die Trotzphasen gehören zur normalen Entwicklung eines Menschen dazu. Eine ähnliche Phase werden Sie mit Ihrem Kind in der Pubertät erleben.

Ihr Kind löst sich von Ihnen ab und wird selbständig. Ein zuweilen schmerzhafter Prozess für beide Seiten. Ihr Kind erkennt seinen eigenen Willen und möchte Vieles selbst tun. Es möchte die Welt erforschen und in Besitz nehmen. Das tut es mit seinem ganzen Selbst und kompromisslos. Aber immer wieder muss Ihr Kind feststellen, dass ihm Grenzen gesetzt sind. Die natürlichen Gegebenheiten setzten Grenzen, aber auch die geliebten Eltern funktionieren nicht immer nach dem Willen des Kindes. Sie verweigern sich, entfernen sich, sagen nein, unterbinden interessante Untersuchungen des Kindes. Da sind Frustrationen vorprogrammiert. Für das Kind führt das zu einer Art „Panikreaktion“. Es ist nicht Herr der Lage, kann die Situation nicht kontrollieren und gerät völlig außer sich. Heftige Wutanfälle sind die Folge.

Die Ordnung die das Kind bisher gekannt hat existiert nicht mehr, die Welt scheint sich aufzulösen. Das Kind kann das Chaos der dadurch entstandenen Gefühle nicht ordnen. Es gerät in völlige Verzweiflung, in einen regelrechten Ausnahmezustand.

Und doch lernt Ihr Kind jetzt etwas. Es muss diese Konfliktsituation aushalten und mit den z.T. aggressiven Gefühlen klarkommen. Es lernt, dass es gut ist einen eigenen Willen zu haben, dass man Konflikte aushalten und lösen kann, dass es geliebt wird auch in schwierigen Situationen. Es lernt auch seine Gefühle auszudrücken und eigene Erfahrungen zu machen.

Gerade in dieser schwierigen Zeit braucht Ihr Kind viel Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Um das dritte Lebensjahr verändert sich noch mehr bei Ihrem Kind. Im innersekretorischen Bereich kommt es zu einer Umgestaltung. Das führt dazu, dass Ihr Kind leicht müde wird, unkonzentriert ist und wenig durchhalten kann. Es fängt Vieles an, beendet wenig, lässt überall Spielzeug liegen und ist unzufrieden. Es kommt zu ausgeprägten Stimmungsschwankungen. Gerade noch ein Wutausbruch und im nächsten Moment ist das Kind anlehnungsbedürftig und sucht Ihre Nähe. Sie waren gerade noch selbst wütend über Ihr Kind und sollen jetzt mit ihm kuscheln. Das fällt Vielen sehr schwer.

Aber wie würde es Ihnen gehen, in einer Situation, in der Sie nichts mehr überblicken, Ihre Gefühle Sie überwältigen und nichts so funktionieren wie Sie es wollen? Was bräuchten Sie in dieser Verzweiflung?

 

Einige Tipps:

  • geben Sie ihrem Kind kurze und klare Anweisungen, halten Sie keine Vorträge
  • planen Sie genügend Zeit ein, vermeiden Sie Stresssituationen
  • planen Sie gleichmäßige Tagesabläufe, Veränderungen sind für Kinder schwer einzuordnen
  • bleiben Sie konsequent damit ihr Kind Sie besser einschätzen kann
  • nehmen Sie ihr Kind oft in den Arm, vermitteln Sie ihm Nähe und Geborgenheit, besonders in schwierigen Momenten
  • lassen Sie ihr Kind selbständig werden, lassen Sie es möglichst viel selbst tun, lassen Sie ihm dazu genügend Zeit
  • suchen Sie Situationen in denen Ihr Kind entscheiden darf, z. B. am Wochenende

Bei all dem bedenken Sie, auch Sie sind nur ein Mensch. Auch Sie haben Gefühle und dürfen sie zeigen. Ihr Kind lernt daraus, dass andere auch Gefühle haben und auch mal wütend sind, dass es also in Ordnung ist Gefühle zu zeigen.

Suchen Sie sich mit Ihrem Partner Energiequellen um genügend Kraft zu haben. Ein gemeinsamer Kinobesuch, ein Spaziergang, ein Plausch mit einer Freundin – was tut Ihnen gut? Pflegen Sie Ihre Partnerschaft.

Gehen Sie aktiv mit Ihrem Kind durch diese spannende Lebensphase und trotzen Sie gemeinsam den Schwierigkeiten.

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